Freundschaft, Kunst und Hundefutter – Marc Degens: „Das kaputte Knie Gottes“

Wie gestaltet sich eine Freundschaft zweier Männer zwischen Künstlerdarsein und Studium? Wie gestaltet sich eine Freundschaft, wenn eine Zigarre rauchende Frau dazu stößt? Und wie überlebt man als Künstler im heutigen Kulturdschungel? All diesen Fragen widmet sich der jüngst erschienene Roman von Marc Degens auf eindrückliche und wunderbar leichtfüßige Art und Weise. Mark, Lehramt-Student zwischen Schriftstellerei und gesicherter Zukunft als Pädagoge und sein Freund Dennis, passionierter freischaffender Bildhauer – eine Freundschaft seit frühen Schultagen, verbunden nicht zuletzt durch das Interesse an Kunst und Kultur. Während der eine sich für den abgesicherten Weg entscheidet, verfällt der andere hoffnungslos der Kunst und versucht, sich mit skurrilen Tätigkeiten wie einem Nachtjob im Pornokino sein Geld zu verdienen.

Nach dem „Bocksprünge“-Abspann traten zwei laut diskutierende aus dem Kinosaal, keiner wollte den anderen zu Wort kommen lassen. „Also mir hat ja besonders die Kameraführung am Anfang gefallen“, sagte ein vielleicht vierzigjähriger Glatzkopf mit Nickelbrille. „Diese genialen Spiegelszenen. Das wirft ein Licht auf die geheimen Wünsche der Figuren. Wie bei Fassbinder.“

Plötzlich gelangt eine Frau ins Handlungsspiel und die Idee, eine Künstlergruppe zu gründen legt so manche Probleme und Absurditäten des Kunst- und Kulturbetriebes offen. Es folgen eine Hautallergie mit katastrophalen Folgen, eine immense Lieferung Hundefutter sowie ein unvorhergesehener Karrieresprung in den Kultursumpf Berlins. Letztlich eine Vielzahl an Überraschungen, heiterer wie tragischer Art. Bei allem Humor und dem einen oder anderen oberflächlich gestalteten Handlungsstrang gelingt Marc Degens ebenso eine Hommage wie auch spitzfindige Abrechnung mit unserer heutigen Kunst- und Kulturszene.

Über den Pissoirs hingen gerahmte Fotos von Kindern mit Penisnasen und Vaginamündern. Die minderjährige Künstlerin, die diese Collagen gemacht hatte, war, wie Dennis mir später erzählte, ebenfalls an Bord. Sie stammte aus einer Künstlerfamilie und hatte bereits mit vierzehn ihren ersten Kunstpreis erhalten.“

Die Anhäufungen von tragisch-komischen Episoden aus dem Leben der beiden Hauptfiguren wirken, trotz ihrer Konstruiertheit, keineswegs vorhersehbar oder gar langweilig. Marc Degens gelingt in seinem Roman genau Gegenteiliges: Ist eine gewisse Erwartungshaltung an die Handlung aufgebaut, wird sie durch tragisch-komische Einfälle umgeworfen und eine neue aufgebaut. Einige Wehrmutstropfen werden jedoch bei banalen Schilderungen von Marks sexuellen Abenteuern vergossen, welche stilistisch an drittklassige Groschenheftchen erinnern und keineswegs zum Rest des Buches zu passen scheinen- ob Absicht oder Schönheitsfehler sei dahingestellt. Degens zeichnet das Porträt einer Männerfreundschaft, welche, soviel sei verraten, anders endet als man zu Beginn der Handlung vermuten mag. Verstrickt in die Banalitäten wie Brutalitäten des Alltags der Kunst- und Lebenswelt. So gelingt dem Autor ein Roman über die Kunst, das Studium, ein Buch über die Liebe mit all ihren Licht- und Schattenseiten. Nicht zuletzt ein Roman über die Irrungen und Wirrungen des Künstler- und Menschenlebens.   Marc Degens: Das kaputte Knie Gottes; KNAUS Verlag; 253 Seiten; 17,99€

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